Lars Klüser über den Tahe Wind Solo, Erfahrungsbericht

Text und Bilder: Lars Klüser, Seakayak Kehdingen

 

Der Wind Solo von Tahe Marine ist ein Tourenkajak im unteren bis mittleren Preissegment und ist erhältlich in GFK und in PE. Die Unterscheidung ist beim Wind Solo tatsächlich wichtig, da sich die Lukengröße von beiden Modellen unterscheidet (in der PE Version hat das Boot eine größere Cockpitluke).

Getestet habe ich den Wind Solo auf der Elbe vor Krautsand bei auffrischendem Wind bis Stärke 5 und Wellen bis ca. 70cm sowie auf der Nordsee im Wurster Watt bei leichtem Wind bis Stärke 3 und kaum Welle.

 

Auf Krautsand habe ich den Wind Solo im Rahmen einer Feierabendrunde ausgeführt, um das Verhalten mit Wind und Welle zu testen. Das Boot hat ein sehr gerades Unterschiff, kaum Rocker und ein (sehr) flaches V als Rumpfquerschnitt. Das verspricht guten Geradeauslauf, mich hat also vor allem interessiert, wie gut sich das Kajak manövrieren lässt. Da ich nicht lange unterwegs war, habe ich nicht viel an Gepäck mitgenommen. Auf Krautsand ist der Weg vom Parkplatz zum Strand dann aber doch so weit, dass man ein PE Boot (laut Hersteller 27-29kg, diese Angabe halte ich für realistisch) nicht tragen möchte. Also habe ich den Bootswagen im Heck verstaut. Dabei ist mir aufgefallen, wie viel Platz für Gepäck das Boot bietet. Der Eindruck kommt sicherlich auch daher, dass im Heck statt einer größeren Luke und einer Tagesluke lediglich eine sehr große Kammer vorhanden ist. Das kann Vorteil und Nachteil sein. Zum Beladen mit der großen Ovalen Zugriffsluke ist diese Aufteilung sehr bequem. Da der Wind Solo noch eine kleine Tagesluke direkt vor dem Cockpit hat, vermisst man die Tagesluke auch nicht wirklich. Wenn man allerdings wie ich nur einen Bootswagen verstauen möchte, hat dieser viel Platz um hin und her zu rutschen. Ich habe mir mit einem Auftriebskörper beholfen, der neben der Auftriebsreserve die Einzelteile des Bootswagens in Position hielt. Das lange Heck bietet mit den gut organisierten Decksleinen eine ideale Fläche für Ersatzpaddel und Pumpe. Beides lässt sich aber auch problemlos auf dem Vordeck verstauen – ganz nach individuellem Geschmack. Die Einstiegsluke in der PE Version ist schön groß, so dass auch große Paddler bequem in den Wind Solo einsteigen können (wie gesagt, in der GFK Version ist die Luke kleiner). Die Einstellung der Fußstützen ging wie von Tahe Marine gewohnt problemlos auch im Boot sitzend. Das Cockpit bietet extrem viel Platz, auch für lange Beine. Die Tagesluke vor dem Cockpit ist gut zu erreichen und bietet ausreichend Stauraum für entweder einen Wurfsack oder Geldbeutel und Snack oder Seenotmittel. Die Bespannung des Vordecks ist sinnvoll, aber aufgrund der langen Cockpitluke und der davor angebrachten Tagesluke auch relativ weit vorne, so dass der Griff zur Trinkflasche oder zur Karte für kleinere Paddler möglicherweise zu Balanceproblemen führen könnte.

Seekajak Tahem Marine Wind Solo PE

Einmal auf dem Wasser hat der Wind Solo sein Potential unter Beweis gestellt. Er ist schnell auf Geschwindigkeit und hält diese auch problemlos. Schnell Strecke zu machen gelingt mit dem Wind Solo mühelos. Der Geradeauslauf ist bestechend. Nimmt man bei stärkerem Wind noch das Skeg hinzu, so bringt nichts den Wind Solo aus der Spur. Einmal auf die Windrichtung eingestellt, hält das Skeg das Boot auf Kurs. Allerdings muss man es auch per Feinjustierung auf die Windrichtung einstellen, sonst wird das Kajak entweder luv- oder leegierig. Die stufenlose Skegeinstellung ist aber per Schieber dicht am Cockpit völlig problemlos zu bewerkstelligen. 

Der Wind Solo ist zum geradeaus fahren gebaut. Möchte oder muss man die gerade Linie verlassen, muss man zwingend das Skeg hochnehmen, sonst kann man so viele Bogenschläge machen wie man möchte und das Boot dreht doch nicht. Mit eingezogenem Skeg hingegen lässt sich der Wind Solo überraschend gut über die Kante steuern und reagiert mit einer Agilität, die ich einem Boot mit dieser Rumpfform so nicht zugetraut hätte. Allerdings ist Kanten Pflicht, aufrecht nur mit Bogenschlägen tut man sich doch relativ schwer das Boot zu drehen. Ich habe den Wind Solo ohne Steueranlage getestet, vermutlich ist diese sehr sinnvoll, wenn man beim Touring nicht so gerne über die Kante fährt. Ich musste weder irgendwo in die Welle stützen noch groß per Bug- oder Heckruder korrigieren, sondern konnte einfach unbeschwert den Ritt genießen. Ich habe die Stabilität bei achterlicher Welle bisher nur unbeladen getestet. Wenn das Boot beladen genauso stabil und kurstreu bleibt, muss bei einer Gepäcktour mit dem Wind Solo niemand Angst vor aufkommendem Wind haben (natürlich nur bis zu einer gewissen Grenze).

Die einzige Sache, die unangenehm aufgefallen ist, ist dass das Sitzpolster der Rückenlehne bei aktivem Paddeln etwas zu viel Spiel hat. Damit entsteht der Eindruck, der Sitz würde sich mitbewegen. Der Performance tut das keinen Abbruch und es ist auch nicht sicherheitsrelevant (der Sitz bewegt sich ja eben nicht), aber es ist eben ein wenig unangenehm.

 

Seekajak Tahem Marine Wind Solo PE

Ein paar Tage später habe ich den Wind Solo PE dann noch mit ins Watt an der Wurster Nordseeküste genommen, um zu testen, wie gut man bei einer längeren Tour in diesem Boot so sitzt. Der Eindruck von Krautsand wurde voll und ganz bestätigt, ein schönes schnelles Boot, das sich sehr gut und auch sehr präzise steuern lässt. Auch nach 5 Stunden im Wind Solo hatte ich immer noch das Gefühl angenehm und sicher im Boot zu sitzen. Von daher ist der Wind Solo absolut Touring geeignet.

 

Fazit: Ein schönes und schnelles Touring Boot in der günstigen bis mittleren Preiskategorie, bei dem das Preis-Leistungsverhältnis absolut stimmt. Viel Platz für Gepäck und ein exzellenter Geradeauslauf machen den Wind Solo zum idealen Begleiter auch für längere Gepäcktouren. Auch „downwind“ mit achterlicher Welle entfaltet der Wind Solo ungeahntes Spaßpotential. Aufgrund des geringen Kielsprungs sicherlich kein reinrassiges Seekajak und nichts für Rockhopping und Meilensurf, kann ich das Boot zum Wasserwandern und für Küstentouren aber absolut empfehlen. Mit wenig Gepäck ist es unter Umständen sinnvoll, im hinteren Gepäckfach einen Auftriebskörper zu verstauen – um kleinere Gepäckstücke zu stabilisieren und als Sicherheitsreserve, falls der Deckel einmal nicht komplett dicht geschlossen sein sollte.  Insbesondere vor längeren Touren könnte es ebenso sinnvoll sein, das Polster des Sitzgurtes mindestens mit Tape zu fixieren, um unangenehmes verrutschen zu verhindern.

 

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