Gastbeitrag: Erfahrungsbericht Tahe Marine Playspirit

Tahe Marine Playspirit im Watt vor Cuxhaven

 

Text und Bilder: Lars Klüser, Seakayak Kehdingen

 

Heute ging es bei zuerst sonnigem Wetter ins Watt vor Cuxhaven, um den Playspirit PE von Tahe Marine zu testen. Die Spirit Serie von Tahe ist im unteren Preissegment für See- und Touringkajaks angesiedelt und ist dementsprechend auf eine preisbewusste Zielgruppe ausgerichtet. Bei Material und Ausstattung muss man also im Vergleich zu deutlich teureren high-end Booten selbstverständlich Abstriche machen. Tahe selbst spricht davon, dass die Boote der Spirit Serie für Paddler gemacht seien, die eben keine ganze Armada ihr Eigen nennen (wollen). Aber ist der Playspirit auch tatsächlich ein Boot für „jedermann“? Das galt es herauszufinden. 

 

Der erste Eindruck des Bootes ist: ziemlich weich. Ich war gespannt, wie sich dieses Boot auf dem Wasser verhält. Die Rumpfform verspricht Spielspaß und hohe Agilität – wenn die fehlende Steifigkeit keinen Strich durch die Rechnung macht.

Das Boot zu packen ging flott von der Hand, auch wenn die Tagesluke relativ klein ist, so dass das Verstauen darin ein bisschen an Origami erinnert. Die beiden Hauptluken sind dafür schön groß und geräumig. Das Boot ist sicherlich nicht für Expeditionen gebaut. Ersatzpaddel und Pumpe ließen sich problemlos an Oberdeck verstauen.

Der nächste Punkt, an dem Optimierungsbedarf besteht, sind die Decksleinen vor dem Cockpit. Durch den breiten Rumpf und die flache Form des Oberdecks sind diese nicht allzu fest gespannt. Wenn man das Vordeck freihält, hat man direkt vor sich einen schönen breiten Kartentisch – und in Surfsessions sollte das Oberdeck ja sowieso frei sein. Das Boot ist schon dem Namen nach ja ein Spielboot.

 

Ab auf’s Wasser mit dem Boot, um im Watt und über den Sandbänken neben dem Elbfahrwasser die Surfeigenschaften und das Fahrverhalten auf Herz und Nieren zu testen.

Erster großer Pluspunkt: die große Luke und die bequeme Sitzposition. Der Einstieg in den Playspirit ist sehr komfortabel und die hohe Anfangsstabilität sorgt dafür, dass auch Einsteigen bei Welle kein Problem ist. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, auf dem Sofa zu sitzen und damit die Kontrolle über das Boot aufzugeben. Überraschenderweise musste ich (ein Paddler der Variante groß und schwer) die Fußrasten deutlich zu mir heranziehen, was – nächste Überraschung – sehr bequem auf dem Wasser im Boot sitzend geht. Der Playspirit bietet ordentlich Beinfreiheit für „lange Kerls“!

Auf dem Wasser fiel sofort auf, dass das Boot extrem wendig ist. Etwas aufgekantet lässt es sich mit einem Bogenschlag problemlos um 90 Grad drehen. Da es so wendig ist, ist es (unbeladen) natürlich auch ziemlich luvgierig. Zumindest bei Windstärke 2-3 wie während des Tests lässt es sich aber perfekt über das Skeg ausbalancieren. Ob das recht flache Skeg von Tahe bei stärkerem Wind noch ausreicht um den Playspirit auf Kurs zu halten, ist eine spannende Frage.  Generell will der Playspirit aktiv gefahren werden, wenn die Bedingungen von „Ententeich“ auf „Wind und Welle“ wechseln.

Die ersten kleinen Wellen machten sich direkt als Bewegung im Bootsboden bemerkbar. Wenn man, wie ich, sonst steife Composite-Kajaks gewohnt ist ein fast schon beängstigendes Gefühl. Dem Geradeauslauf und der Bootsperformance tat das aber keinen erkennbaren Abbruch. Weiter draußen auf den Sandbänken habe ich den Playspirit dann in größere Wellen zum Surfen ausgeführt. Dafür ist das Boot gebaut! Es springt sofort an, sobald das Heck angehoben wird und ist mit wenigen Paddelschlägen auf Geschwindigkeit. Einmal auf der Welle will der Playspirit gar nicht mehr runter. Und der Paddler auch nicht. Playboating wie aus dem Lehrbuch. Überraschenderweise ist bei größeren Wellen – egal ob beim Surfen oder seitlicher oder vorlicher Welle beim Paddeln – die fehlende PE-Steifigkeit kein großes Thema mehr. Vermutlich gibt die ausgeprägte Kante hier genug seitliche Stabilität, dass das Unterschiff fast schon egal ist.

Fazit: Tahe beschreibt die Spirit-Serie als „go-to“-Boote für Paddler, die keine ganze Armada besitzen. Beim Playspirit würde ich das etwas abschwächen. Das Boot ist aufgrund der hohen Anfangsstabilität und der Wendigkeit einerseits eine gute günstige Alternative für Einsteiger ohne größere Ambitionen in Wind und Welle. Sozusagen ein Sonntagsausflugsboot. Andererseits ist es auch ein schönes Add-On für Paddler, die schon ein steiferes und schnelleres Seekajak besitzen. Ein Playboat im besten Sinne der Definition: Surfsession? Brandung? Spielen am Strand? Der Playspirit ist das Mittel der Wahl! Und der Preis lässt ihn als Zweitkajak noch einmal interessanter werden, da nicht jeder für das Spielboot nochmal so viel Geld ausgeben möchte wie für ein high-end Composite-Kajak. Beim Playspirit gibt es nur eins: selber testen!

 

Zum Boot

Seekajak Tahe Marine Playspirit

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Sabine Heckmann (Dienstag, 01 Mai 2018 16:16)

    Hallo Lars, danke für deinen Bericht, ich zähle mich zu den Anfängern, besitze einen Prion dayliner L für kleinere Touren,
    Der ist vom Material auch nicht so steif. Meinst du das ich. Meinen etwas breit geratenen Hintern in das von dir getestete Boot bekomme ? (90 kg bei 1,70) wäre es ein seekrank was für Anfänger genug Stabilität hat.?
    Nicht das mir beim einsteigen der Boden durchbricht.
    Dein Bericht ist gut und ich hoffe objektiv, was fährst du sonst für ein Boot?

  • #2

    Lars Klüser (Dienstag, 01 Mai 2018 16:52)

    Hallo Sabine,

    danke für Deinen Kommentar. Ich hoffe, auch, dass mein Bericht objektiv ist. ;-) Ich fahre sonst noch einen Lettmann Biskaya, einen Norse Bylgja und hatte mal einen Wilderness Systems Tempest. Demnächst kommt noch ein Reval Midi von Tahe dazu (da wird es dann auch einen entsprechenden Bericht geben, genauso wie zum Wind Solo, der noch bei mir liegt und auf die Jungfernfahrt wartet). Dass Du sagst dass der Prijon Dayliner nicht so steif ist überrascht mich. Ist der HTP oder laminiert? Ich hatte Prijon Boote immer unter der Rubrik "Panzer" abgespeichert... - bin den Dayliner aber nie selbst gefahren. Der Playspirit von Tahe ist von der Größe her sicherlich unproblematisch, ich zähle definitiv nicht zu den schmalen Paddlern und mein Gewicht ist eher im dreistelligen Bereich zu finden. ;-) Die Stabilität für Anfänger ist beim Playspirit definitiv da! Gerade wenn Du noch etwas "wacklig" im Boot sitzt, wirst Du Dich im Playspirit gut aufgehoben finden. Ich glaube auch nicht dass der Boden beim Einsteigen durchbricht. Es sei denn Du legst Bug und Heck auf zwei verschiedene Ufer eines tief eingeschnittenen Baches. ;-)
    Wie gesagt, das Boot hat definitiv Vor- und Nachteile. Und das Material muss man sicherlich auf der Minusseite verbuchen. Aber angesichts des Preissegmentes in dem der Playspirit antritt finde ich ihn ein gelungenes Boot, wenn man nicht auf der Suche nach einem Expeditionskajak oder einer Rennmaschine ist.

    Viele Grüße
    Lars